Biosphäre Gobi

Ökosystem

Klima

Das Klima der Great Gobi ist kontinental geprägt und sehr trocken. Die Temperaturunterschiede sowohl während eines Tages wie auch zwischen den Jahreszeiten sind enorm. Die Jahresmitteltemperaturen liegen im Minusbereich, was auch durch die Höhe von zwischen 1100 und 2900 m über Meer bedingt ist. Der Höhengradient trägt wesentlich zu einem nischenreichen Ökosystem mit grossen Schwankungen bei.

Die Great Gobi B liegt zwischen dem Altai-Gebirge und noch trockeneren Gebieten der Gobi in China. Die Niederschlagsmengen betragen rund 150 mm pro Jahr, was einem Halbwüstenklima entspricht. Der Niederschlag fällt z. T. als Schnee, hauptsächlich aber als Regen im Sommer.

Prägend für den Lebensraum sind jedoch nicht nur die Trockenheit und der grosse Temperaturgradient, sondern auch enorme jährliche Unterschiede. Pflanzen müssen deshalb mit Wasserstress und einem hohen Temperaturgradienten zurechtkommen. Für Tiere bringt eine hohe Mobilität grosse Vorteile, um je nach Situation geeignete Lebensräume aufsuchen zu können.

Dies gilt insbesondere bei sehr tiefen Temperaturen, oftmals kombiniert mit Schneereichtum im Winter. Solche Ereignisse, mongolisch Dzud genannt, äussern sich in grossen Verlusten bei nicht mobilen Populationen wie z. B.  Nagetieren. Mobile Arten können diesen regional oft sehr unterschiedlich auftretenden Ereignissen ausweichen und vermeiden damit grössere Verluste. Bedeutend Populationsschwankungen kommen jedoch bei vielen Arten vor und sind Ausdruck dieses dynamischen Ökosystems.

Vegetation

Die Vegetation weist durch die kurzen Vegetationszeiten und den limitierenden Faktor Wasser eine geringe Produktivität auf. Das Gebiet ist im wesentlichen waldfrei, an ganz wenigen Stellen kommen Gobi-Pappeln vor. Die Vegetation ist vor allem durch die jährlich schwankende Verteilung des Wassers geprägt. Schneereiche Winter oder Sommer mit grösseren Regenmengen lassen die sonst karge Vegetation enorm wachsen. Die Produktivität schwankt deshalb im Jahresvergleich um ein Mehrfaches.

Durch die Vegetation werden die unterirdischen Wasserströme sichtbar. Das Wasser fliesst aus dem Altai in Bächen herunter, versickert in der Wüste und zieht über viele Kilometer in die Ebene. Diese Gebiete zeichnen sich durch eine reichhaltige Flora aus. Die Vegetation ist geprägt durch den Saxaul, eine Holzpflanze, welche unter günstigen Bedingungen zu einem kleinen Baum werden kann. Saxaul-Bestände sind häufig von Tamarisken begleitet.

Die auffälligste Begleitflora ist ansonsten eine in hohen Büscheln wachsende Grasart (Achnatherum splendens). Weiter von den unterirdischen Wasserströmen entfernt, finden wir Federgrassteppen (stipa glarosa) und verschiedene Artemisia-Arten. Diese Gräserarten sind die wichtigsten Futterpflanzen der Pferdeartigen. In höheren Lagen wird der Charakter wüstenartig mit grösseren, weitgehend vegetationsfreien Gebieten.

Fauna

Neben dem Takhi ist der Khulan die auffälligste Tierart der Great Gobi. Der asiatische Halbesel ist eine sehr mobile Art, die sich je nach Jahreszeit und Niederschlägen zu grossen Herden zusammenzieht. Die Great Gobi B wird für diese Tierart immer mehr zu einem wichtigen Rückzugsgebiet, da die Bestände durch die Zerschneidung der Lebensräume stark zurückgehen.

In den Ebenen sind häufig Kropfgazellen (Gazella subgutturosa) zu sehen. Sie leben in kleinen Gruppen und ihre Bestände schwanken lokal sehr stark. Weitere Huftierarten sind der sibirische Steinbock und das Argali-Schaf, wobei deren Verbreitung Arten auf die gebirgigen Teile beschränkt ist. Dort kommt auch der Schneeleopard vor. In der Ebene finden wir den Luchs und den Manul, eine kleine Katzenart.

Der Wolf hingegen ist omnipräsent. Seine Risse beeinflussen auch die Bestände von Takhi und Khulan, da seine Mobilität in deren Gebieten enorm ist. Ein junger weiblicher Wolf bewegte sich während eines Jahres in einem Raum von 143’000 km2, also auf rund 3.5x der Fläche der Schweiz.

Besonders prägend sind für die Gobi aber eine Vielzahl von Kleinsäugern (Fünfzehen-Jerboa, Dreizehen-Jerboa, Wüstenrennmaus) und in deren Gefolge, die Greifvögel. Ihr Dichten können enorm schwanken. Nach 2-3 aufeinanderfolgenden günstigen Jahren erreichen vor allem Bussarde und kleine Adlerarten hohe Dichten. Auch Mönchs- und Bartgeier können regelmässig beobachtet werden.

Wegen der geringen Produktivität benötigen viele Tiere grosse Flächen. An produktiveren Orten ist die Konkurrenz zwischen den Arten erheblich und kann vor allem dann ein Problem werden, wenn auch noch Nutztiere dazu kommen.

Fauna der Great Gobi B

Schutzstatus

Great Gobi B

Die Great Gobi B SPA wurde bereits 1972 als Biosphärenreservat und seit 1975 als striktes Schutzgebiet ausgewiesen. Das Hauptziel der ca. 9’000 km2 grossen Great Gobi B war damals der Schutz der Takhi, deren Ausrottung noch nicht bestätigt war. 2019 wurde das Schutzgebiet mit Beschluss des nationalen mongolischen Parlaments (Great Khural) auf rund 18’000 km2 erweitert. Diese Erweiterung ist auch ein Erfolg des Takhi-Projekts und der ITG.

Die Great Gobi B ist eines von 20 besonders streng geschützten Gebieten (Strictly Protected Area, SPA) der Mongolei. Diese grossflächigen Schutzgebiete bestehen aus einer Kernzone (IUCN Kat. 1) und einer Umgebungszone.

UNESCO Biosphärenreservat
Die Great Gobi B ist nicht nur eine strictly protected Area nach mongolischem Recht, sondern zusammen mit der Great Gobi A auch ein Biosphärenreservat nach den Kriterien der UNESCO. Dieser Schutzgebietstyp wurde vor dem Hintergrund geschaffen, gemeinsamen Zielen von Menschen und Biosphäre zu dienen und eine positive Entwicklung für im Gebiet lebenden Menschen und für die Natur zu erreichen.

Biosphärenreservat für Mensch und Natur

In der Great Gobi leben seit Menschengedenken Nomaden. Ihre Lebensweise ist grundsätzlich nachhaltig und verträgt sich mit den Ansprüchen des Ökosystems und insbesondere auch der lokalen Tierarten. Ein Biosphärenreservat trägt einerseits dem Umstand Rechnung, dass es heute kaum mehr Gebiete gibt, die nicht von Menschen besiedelt sind und andererseits, dass das Interesse der lokalen Bevölkerung für den effektiven Naturschutz letztlich entscheidend ist.

Auch in der Great Gobi hat die nomadische Bevölkerung alles Interesse daran, den Lebensraum zu erhalten und insbesondere vor den negativen Einflüssen des Bergbaus zu schützen. Dies war für die Erweiterung des Schutzgebiets in Jahr 2019 massgeblich. Der Lebensraum bleibt für die Natur und die nomadische Bevölkerung geschützt und die Idee des Schutzgebiets und seiner Ziele wird von der lokalen Bevölkerung mitgetragen.

Management der Great Gobi B

Ein Schutzgebiet ist nur so gut wie sein Management: Entscheidend sind dafür neben dem Knowhow vor allem personelle und finanzielle Ressourcen.

Ranger spielen in einem Schutzgebiet eine zentrale Rolle. Sie setzen die Ziele vor Ort um und sind Ansprechpartner für die Bevölkerung. Im Falle der Great Gobi B stammen die Ranger fast durchwegs aus der Region.

2020 wurde der Rangerbestand von 7 auf 21 aufgestockt. Dies zeigt den Willen der mongolischen Regierung, die Ziele des Schutzgebiets umzusetzen. Neben gut geschultem Personal sind eine passende Infrastruktur und genügend Betriebsmittel (z.B. Benzin für die Fahrzeuge) von entscheidender Bedeutung, um die Ziele zu erreichen. Hier setzt vor allem die ITG an, welche seit Jahren wesentliche Teile der Betriebsmittel beschafft und massgeblich dazu beiträgt, eine geeignete Infrastruktur wie das Nationalparkhaus oder geeignete Fahrzeuge bereit zu stellen.

Managementplan als zentrales Planungs -und Steuerungsinstrument

Schutzgebiets wie der Great Gobi B müssen alle Aktivitäten aufeinander abgestimmt werden. Dies erfolgt in effektiver Weise über einen von allen wesentlichen Akteuren gemeinsam erarbeiteten Managementplan. Er erlaubt einen koordinierten Einsatz der Ressourcen, die Orientierung an Prioritäten und die frühzeitige Bereinigung von Widersprüchen. Der aktuelle Managementplan für die Great Gobi B wurde 2019 Kraft gesetzt. Durch dieses Instrument werden die Aktivitäten aller Akteure für die nächsten Jahre in konstruktiver Weise gelenkt.

Forschung

Forschung hat im Wiederansiedlungsprojekt in der Great Gobi seit 1997 eine grosse Bedeutung. Im Sinne der Richtlinien der IUCN Reintroduction Specialist Group ist begleitende Forschung zentral für die wissensbasierte Führung eines Projekts.

Dank den Arbeiten von Chris Walzer und Petra Kaczensky, zuerst als Mitarbeitende des Zoo Salzburg, später als Mitarbeitende des FIWI in Wien, trugen Forschungsprojekte nicht nur zentrales Wissen für die Projektsteuerung und Entwicklung bei sondern bildeten während vielen Jahren mit ihren Finanzen und ihrem Personal auch die tragende Basis des Projekts.

Heute betreibt die ITG ein Forschungsprogramm zur weiteren Projektentwicklung unter der Führung von Petra Kaczensky. Sie arbeitet als Assistenz-Professorin an der Inland Norway University of Applied Science (INN) und für die Veterinärmedizinische Universität Wien. Sie leitet den Wissenschaftsrat der ITG. Ihre Fachgebiete sind Umwelt- und Naturschutz und das Management von Schutzgebieten.

Schwerpunkte der Forschung

Die ITG hat 2017 Forschungsschwerpunkte definiert, welche sie laufend entwickelt und ergänzt. Aktuell sind es 11 Schwerpunkte:

Die folgenden vier Projekte werden aktuell umgesetzt:

  • Sozioökonomie: Lena Michler erforscht in ihrer Dissertation die Nutztierhaltung der nomadischen Bevölkerung in der Great Gobi B und deren Einfluss auf das Ökosystem. Mit dieser Arbeit schafft sie einerseits die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung und sozioökonomische Projekte in der Great Gobi B und stösst anderseits verschiedene Prozesse zum besseren Einbezug der Bevölkerung ins Management an.
  • Monitoring der Leitarten: Khulan und Kropfgazelle sind neben dem Takhi die Leitarten für die Great Gobi B. Alle 5 Jahre werden diese Arten systematisch erfasst. Der nächste Point-Count findet 2021 statt. Dabei werden erstmals Drohnen eingesetzt.
  • Wasserprojekt: Wasser als knappe und zentrale Ressource der Great Gobi B steht immer mehr im Fokus. 2020 wurde mit Unterstützung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (SDC) ein Projekt zur systematischen Erfassung der Wassersituation in der Great Gobi B gestartet. Ziel ist es, mit den Kenntnissen über Menge und Qualität des Wassers dessen Nutzung in Zukunft gezielter steuern zu können.
  • Takhi-Genetik: Die heutigen Takhi stammen von sehr wenigen Gründertieren ab. Ein systematisches genetisches Monitoring ist deshalb für das Verständnis der Entwicklung und für allfällige Managementmassnahmen entscheidend. 2018 wurden dafür individuelle Kotproben von freilebenden Takhi gesammelt und 2019 begannen erste Auswertungen. Diese erwiesen sich als überraschend erfolgreich, so dass mit dieser Methode weitergearbeitet wird. Die Untersuchung dient auch dazu, mögliche Einkreuzungen von Hauspferden zu erkennen.

Wissenschaftliche Publikationen

Bedrohung

Das Ökosystem der Great Gobi B ist durch verschiedene Einflussfaktoren bedroht. Die wichtigsten sind in dieser Reihenfolge Bergbau, Klimawandel, kultureller Wandel und Wilderei:

Bergbau: Sein negativer Einfluss auf die Great Gobi B war der wichtigste Grund für die Erweiterung des Schutzgebiets. Bergbau zerstört Gebiete endgültig und beraubt die nomadische Bevölkerung ihrer Lebensgrundlage.

Für die Flexibilität und Mobilität der Tiere in diesem Ökosystem ist vor allem die Zerschneidung der Lebensräume durch Verkehrsinfrastrukturen massgeblich. Diese gefährdet die grossräumige Vernetzung, zwischen den Schutzgebieten, z. B. zwischen der Great Gobi A und B. Gewisse Erfolge konnten bereits erzielt werden, indem die Durchlässigkeit für Wildtiere heute bei der Planung der Verkehrswege geprüft wird und z. B. bei Eisenbahnen auch konsequent umgesetzt wird.

Klimawandel: Während für die Mongolei insgesamt ein dramatischer Wasserverlust mit Austrocknung von Quellen und der Zerstörung von Weiden festzustellen ist, ist diese Entwicklung für die Great Gobi noch weniger klar. Nachdem jedoch das Gebiet gerade für das Wildpferd bereits fast zu trocken ist kann man sich leicht vorstellen, was nur schon eine geringfügig stärkere Trockenheit zur Folge haben kann.

Änderungen in der Nomadenkultur: Die wirtschaftliche Bedeutung der Kaschmirziegen führt dazu, dass deren Anteile in den Kleinviehherden gegenüber den Schafen laufend zugenommen haben. Bei insgesamt gleichbleibenden Beständen bedeutet dies eine massiv erhöhte Gefährdung für die Weiden, da Ziegen durch ihre Art der Beweidung viel mehr Schaden anrichten als Schafe.

Durch die Attraktivität des Gebiets der Great Gobi B für Nomaden, könnten sich zudem neue Familien ansiedeln. Obwohl Ansätze für einen Ackerbau im Gebiet nach 1990 glücklicherweise nicht weitergeführt wurden, tauchen solche Ideen in letzter Zeit wieder öfter auf.  Sei vertragen sich in keiner Weise mit dem empfindlichen Wasserhaushalt des Gobi-Ökosystems.

 

Wilderei: Wilderei ist in der Great Gobi zum Glück kein prägendes, sondern eher ein sporadisches Phänomen. Es taucht vor allem im Zusammenhang mit illegalen privaten Bergbauaktivitäten auf. Das Wildpferd ist davon nicht betroffen, wohl aber Khulan und Kropfgazelle. Die Erweiterung des Schutzgebiets und die Aufstockung des Rangerteams bieten in hohem Mass Gewähr, dass die Wilderei nicht zu einem gewichtigen negativen Einflussfaktor wird.